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Mario Kramp / Alfred Schäfer, Vom Heumarktviertel auf die Schäl Sick. Eichenpfähle der römischen Rheinbrücke. In: M. Kramp / M. Trier, Drunter und Drüber: Der Heumarkt. Schauplatz Kölner Geschichte 3 (Köln 2016)

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Mario Kramp / Alfred Schäfer, Vom Heumarktviertel auf die Schäl Sick. Eichenpfähle der römischen Rheinbrücke. In: M. Kramp / M. Trier, Drunter und Drüber: Der Heumarkt. Schauplatz Kölner Geschichte 3 (Köln 2016)
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  50  51 Eichenpfähle der RheinbrückeKaiser Konstantins – Römisch-Germanisches Museum/ Rheinisches BildarchivArmlehnstuhl aus der Zeit des Historismus,angeblich aus dem Eichenholz der römischen Rheinbrücke gefertigt – Kölnisches Stadtmuseum/ Rheinisches Bildarchiv Das rheinseitige Stadtpanorama der Colonia Agrippina  wurde von einer etwa 420 Meter langen Brücke geprägt, die zwischen dem mittleren Tor der römischen Stadtmauer auf Höhe Marsplatz und dem Deutzer Brückenkopfkastell verlief. In einer zeitgenössischen Lobrede (Panegyricus)  auf Kaiser Konstantin den Großen wird diese erste feste Brücke über den Niederrhein, dort, wo der Strom seine volle Breite entfaltete, als Sieg über die Gewalten der Natur gefeiert.Zum konstantinischen Bauprogramm gehörten steinerne Schenkelmauern, die von den beiden Ecken der alten Stadtmauer zum Fluss führten, um das Gelände der ehemaligen Insel und den Zugang zur Brücke zu sichern. Ob auch das Prätorium, der Sitz des Statthalters, zu dieser Zeit eine neue Fassade erhielt, die man von der Brücke aus erblickte, bleibt zu untersuchen. Der Baubeginn des Rheinübergangs dürfte in die Jahre zwischen 308 und 310 n. Chr. fallen. Die Brücke und das Brückenkopfkastell auf dem Deutzer Ufer wurden sub  praesentia principis  (in Anwesenheit des Kaisers) 315 n. Chr. eingeweiht. Unter der Herrschaft Konstantins bekam die Sicherung der Grenzen des Römischen Reichs an Rhein und Donau einen besonderen Stellenwert. Dies zeigt der Vergleich mit dem Bau der steinernen Brücke zwischen Oescus und Sucidava am bulgarischen und rumänischen Donauufer, deren Einweihung ebenfalls von Konstantin persönlich durchgeführt wurde. Wie in Köln-Deutz sicherte auch in Sucidava ein über die Flussgren-ze hinaus vorgeschobener Verteidigungsposten den Übergang. Am Rhein bildete das Kastell Divitia (Deutz) einen wichtigen römischen Stützpunkt im Barbarenland (in barbarico) . Zu welchem Zeitpunkt die römische Rheinbrücke in Köln zerstört wurde, ist nicht sicher belegt. Die Koelhoffsche Chronik berichtet noch am Ende des 15. Jahrhunderts von sichtbaren Resten der steinernen Brückenpfeiler. Arnold    r   ö   m   e   r   &    c   o . vom heumarktviertel auf die schäl sickeichenpfähle der römischen rheinbrückemario kramp und alfred schäfer  52 Perspektivische Rekonstruktion der römischen Rheinbrücke und des Kastells Divitia (Deutz) – Zeichnung Jennifer Lauer Mercator bezeichnet auf seinem Stadtplan von 1571 die Verlängerung der Salzgasse hinter der Straße Obenmarspforten als »die bruck straiß« – die heute noch so benannte Brückenstraße. Dass die Römerbrücke am linken Rheinufer auf Höhe der Salzgasse ihren Ausgang nahm, geht ebenfalls aus einer urkundlichen Erwähnung der dortigen Häuser als »Haussa uff der Brücken« im Brigidenschrein hervor. Im frühen 17. Jahrhundert war der Kölner Stephan Broelmann der Erste, der mit Hilfe eines Landvermessers aus dem niederländischen Gouda die noch an Ort und Stelle erhaltenen Überreste der alten Rheinbrücke kartierte. Von einem Boot aus konnte er fünf steinerne Pfeilerreste feststellen. Ortskundige Fischer erklärten ihm, es gebe insgesamt noch 19 Brückenpfeiler.Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bot sich mit Taucherschiffen wiederholt die Gelegenheit, die Konstruktionsweise der Rheinbrücke zu erforschen. Insgesamt konnten 15 hölzerne Pfahlgründungen nachgewiesen werden, die als Fundamente der Brückenpfeiler dienten. Die Pfähle aus Eichenholz besaßen eine Stärke von 20 bis 50 Zentimetern und eine Länge bis zu 7,50 Metern. Sie waren spitz zugebeilt, einzel-ne hatten um die Spitze einen eisernen Pfahlschuh, so dass man sie bis zu ca. 3 Meter tief in den Flussgrund rammen konnte. Im Römisch-Germanischen Museum sind einige dieser Eichenpfähle zu sehen. Die rechteckigen, etwa 4 mal 12 Meter großen Fundamente hatten jeweils ein stromaufwärts gerichtetes dreieckiges Vorhaupt, um der Strömung auch bei Hochwasser und Eisgang standzuhalten. Sand- und Kalkstein-quader, zum Teil in Zweitverwendung, belegen, dass die Brückenpfeiler selbst aus Stein gebaut waren.Oberbau und Fahrbahn der Brücke waren aus Holz gezimmert. Untersuchun-gen des Labors für Dendroarchäologie der Universität zu Köln an den erhaltenen Eichenpfählen aus dem Rheinbett erbrachten mehrere Jahrringdaten, die auf eine längere Bauperiode in konstantinischer Zeit hindeuten. Möglicherweise ist die feierliche Einweihung des Jahres 315 als eine Art Grundsteinlegung zu verstehen, die zwar eine Begehbarkeit, aber noch keine vollständige Fertigstellung der Rheinbrücke voraussetzte. vom heumarktviertel auf die schäl sick  53 Teilmodell der römischen RheinbrückeMitten im Rhein wird in der mit Spundwänden abgedichteten Baugrube ein Brückenpfeiler errichtet – Römisch-Germanisches Museum, Foto Alfred Schäfer    r   ö   m   e   r   &    c   o . eichenpfähle der römischen rheinbrücke  54 Die römische Rheinbrückein der Vorstellung des 17. Jahrhunderts; Johann Hogenberg, kolorierter Kupferstich, 1608, nach einer Zeichnung von Stephan Broelman – Kölnisches Stadtmuseum/Rheinisches Bildarchiv vom heumarktviertel auf die schäl sick 1822 wurde das Viertel um den Heumarkt erstmals seit der Römerzeit wieder mit dem Deutzer Ufer verbunden – durch eine Pontonbrücke, die mehrmals täglich für den Schiffsverkehr geöffnet werden musste. An anderer Stelle, auf Wunsch des preußischen Königs in der Achse des Doms, erfolgte feierlich die »Eröffnung der festen Rheinbrücke zu Cöln am 3. Oct. 1859«. Diese Dombrücke, die erste feste Brü-cke seit der Zeit Konstantins des Großen, bestand parallel mit der Pontonbrücke am Heumarkt. Für den Heumarkt beendete erst 1915 die Deutzer Brücke, 1935 »Hinden-burgbrücke« genannt, das Provisorium der Pontonbrücke. Das war auch bitter nötig, die moderne Großstadt Köln war auf den reibungslosen Schiffs-, Eisenbahn- und Straßenverkehr angewiesen.In dieser Zeit des Aufbruchs erforschte man, stolz auf die eigene römische Ge-schichte und auf deren Fortsetzung durch moderne Brückenkonstruktionen, die Über-reste der alten Römerbrücke. Kein Wunder, dass Pfeilerfragmente als Zeugnisse des Bürgerstolzes an unvermuteter Stelle im wahrsten Sinne wieder auftauchten – ähnlich wie Reste des hölzernen Turmkrans, der im Zuge der Domvollendung abgebaut wurde.So erhielt 1906 der Kölner Verleger und Publizist Franz Xaver Bachem einen Polsterstuhl im neubarocken Stil mit der Inschrift »Angefertigt aus Pfahlholz der
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