of 8

Materialität des Diskurses

10 views
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Share
Description
Materialität des Diskurses. In: Anschlüsse. Versuche nach Michel Foucault (Hg. zusammen mit G. Dane, Ch. Karpenstein-Eßbach u. M. Makropoulos), Tübingen (edition diskord) 1985, S. 207-214
Tags
Transcript
  Paris, 285, Rue de Vaugirard Photo Michael Makropoulos Anschlüsse Versuche nach Michel Foucault Herausgegeben von Gesa Dane, Wolfgang Eßbach Christa Karpenstein-Eßbach Michael Makropoulos edition diskord lffi Konkursbuchverlag  CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek Anschlüsse: Versuche nach Michel Foucault I hrsg. von Gesa Dane „ - Tübingen: edition diskord, 1985 ISBN 3-88769-509- 7 © 1985 edition diskord Schwärzlocher Str. 104, 74 Tübingen Gesamtherstellung: Eiling und Roth, Oberkaufungen ISBN 3-88796- 509- 7 Inhalt VORWORT 9 MODERNE GESELLSCHAFTEN 15 Kontingenz und Selbstungewißheit. Bemerkungen zu zwei Charakteristika moderner Gesellschaften Michael Makropoulos 17 Parzellierter Raum, zerstückelte Zeit. Die Wirklichkeit der Disziplin Dietmar Kamper 27 Die subtile Macht der Architektur über den Menschen Wolfgang Dahms 33 Modeme, Subjekt und der Wille zum Wissen Pasquale Pasquino 39 LEBENSFÜHRUNGEN 55 Das eingebildete Selbst Georg Christoph Tholen 57 Über eine Frage -die sich Foucault nicht stellte GesaDane 63 „Anmut : weder Natur noch Kunst. Zur Formation einer Körpersprache im 18. Jahrhundert Sigrid Schade 69 „Cherchez la femme bei Foucault? Gerburg Treusch-Dieter Assoziationen zur Genealogie elmut Kohlenberger 80 95  AUFKLÄRUNGSKÄMPFE Warum Foucault aufhörte, Symbole zu analysieren: Mutmaßungen über „Ideologie'' und „Interdiskurs" Jürgen Link Erkenntnispolitik Walter Seitter 103 105 115 ,Aufklärung dem Aufklärer". Der Archäologe des Wissens als kritischer Theoretiker „malgre tout Michael Wetzei 122 Die Macht, die Rede, Foucault und ich Klaus Hülbrock 130 ORTE DES AUTORS 139 Ein V erwaiser Friedrich Kitt/er 141 Ethik des Andersdenkens -Zum Autor der ,Histoire de la sexualite' Reinhard Meyer-Kalkus 147 Sankt Michaels Massaker WinfriedKudszus 158 Die Autorfunktion Christa Karpenstein-Eßbach 169 · WISSEN 179 Anmaßende Bescheidung Konrad Thomas 181 „Die eigenen Historizitäten sich artikulieren lassen ... . Anmerkungen zu einer Geschichte des Wissens Michael Sonntag 185 Archäologie statt Philosophiegeschichte? Was die Philosophiegeschichte von Foucault lernen kann Walther Ch Zimmerli Materialität des Diskurses Wo/fang Eßbach SIGLENVERZEICHNIS AUTOREN 197 207 215 216  206 zialgeschichte auch den Quereinstieg der parasitären Archäologie als heuristisches Korrektiv bereithalten, um selbst noch des Wahnsinns neuer Rationalitätsformen sich versichern zu können. Anmerkungen Eine gekürzte Fassung des vorliegenden Textes wurde an einer Veranstaltung der Universität Göttingen anläßlich des Todes von Michel Foucault am 16. Juli 1984, eine erweiterte Fassung am XIII. Deutschen k für Philosophie am 25.09.1984 in Bonn vorgetragen. 1 Vgl. LUBBE, Hermann: Geschichtsbegriff und Geschichtsinteres se. Analytik und Pragmatik der Historie. Basel/Stuttgart 1977. 2 DESCOMBES, Vincent: Das Selbe und das Andere. 45 Jahre Philosophie in Frankreich 1933-1978. 1979, dt. Frankfurt a.M. 1981. Materialität des Diskurses* Woljgang Eßbach 207 Im Jahre 2026 fand anläßlich des 100. Geburtstages von Mi chel Foucault eine soziologische Fachtagung statt, auf der drei Tage lang über einen Satz aus der Inauguralvorlesung Foucaults am College de France debattiert wurde. Der Satz lautet: „Ich setze voraus, daß in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird - und zwar durch gewisse Prozeduren, deren Aufgabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurses zu bändigen, sein unberechenbar Ereignishaftes zu bannen, seine schwere und bedrohliche Materialität zu umgehen." (ODisk 7 Leider sind der Nachwelt die Protokolle der Fachtagung aufgrund der nagenden Kritik neuartiger Mikroben nur lückenhaft überliefert. Die Identität des Autors des letzten Beitrages konnte nicht festgestellt werden. DER EMPIRIKER MITTLERER REICHWEITE: Mein Ver ständnis reicht bis zur Mitte des Satzes. Stellen wir uns ein Team von Zeitungsredakteuren vor, wie wir es aus der Vergangenheit kennen. Wenn sie Diskurse produzieren, so ist rasch anzugeben, wo Beschränkungen liegen. Eine Zensur findet zwar nicht statt, aber Beleidigungen, auch wenn sie dem ehrlich empörten Herzen eines Schreibers entspringen, werden nicht zugelassen. Auch gibt es Beschränkungen, die „Staatsgeheimnisse" betreffen. Die Zeitung ist zwar nominell „überparteilich", aber sie hat zweifellos so etwas wie eine politische Färbung, d.h. die Positionen der Beiträge bewegen sich innerhalb einer gewissen Bandbreite, die zwar flexibel sein mag,  208 aber dennoch nicht überläuferisch aufgelöst werden darf. Darüber wird es Debatten geben, einen Streit unter den Redakteuren, die die Bandbreite so oder so verschieben wollen. Wird man sich nicht einig, so ist geregelt, wer die verantwortliche Entscheidung, das letzte Wort über den Abdruck von Texten hat. Aber auch wo man sich relativ einig ist, wo ein lockeres Diskussionsklima herrscht, werden sich die Redakteure in der Diskussion gezwungen fühlen, sich auf die jeweilige Sache zu beziehen, die besprochen werden soll. Themen, die ihnen gerade auch durch den Kopf gehen, müssen zurückgedrängt werden. Die Redaktionssitzung ist nicht der Ort, über Probleme mit den heranwachsenden Kindern zu sprechen. Geht das Team später gemeinsam in die Kantine, so darf dort über alles mögliche gesprochen werden. Aber auch hier sind wiederum Einschränkungen, Selektionen etc. am Ph1tze. Ganz intime Dinge, über sie wird man nur in den Beziehungen der Freundschaft und der Liebe sprechen. Als Empiriker kann ich dem ersten Teil des Foucault'schen Satzes nur beipflichten. Wo Gesellschaft ist, trifft man eine beträchtliche Menge von Formen auf allen sozialen Stufen an, die die Möglichkeit von Rede und den Typ von Rede kontrollieren, selektieren, organisieren und kanalisieren. Aber, Kolleginnen und Kollegen, eine „schwere und bedrohliche Materialität", die da umgangen werden soll ... ? Das ist doch reinste Metaphysik DIE THEORETIKERIN DER KOMMUNIKATIVEN KOMPETENZ: Metaphysik, da bin ich zu Hause. Ich sehe hier bei Foucault ein schlimmes normatives Loch. Das muß unbedingt gestopft werden Wie konnte man damals überhaupt normati ve Löcher zulassen? Ich lasse mich erst beruhigen, wenn wir wenigstens einen kryptonormativen Geltungsanspruch dingfest machen können. DER POSTMARXISTISCHE HANDLUNGSTHEORETIKER: Nein, nein. Keine Geltungsansprüche, eher Motive, Bedürf-nisse, besser noch: Interessen im weitesten Sinne. Wenn den sozialen Sinn der Reglements der Diskurse begreifen wollen, so müssen wir das spezifische Interesse der handelnden Subjekte ins Auge fassen. Liegt es nicht auf der Hand, daß die je vorhandenen Lebensbedingungen, weil sie nicht gleich sind, die Subjekte dazu treiben, sich zu solidarisieren oder abzugrenzen? Wenn die Diskurse in jeder Gesellschaft .... „ ..... „, ,_ tiert sind, セ liegt dem nichts Geheimnisvolles, etwa chenbar Ereignishaftes" o.ä. zugrunde, sondern He gen Interessen. Interessen, die vital sind, weil sie sich aus Bedürfnissen speisen, die unabweisbar sind. Geltungsansprüche hin oder her, seien wir mißtrauisch gegenüber dem ganzen Bereich der Rede, nehmen wir die Reden perspektivisch als Ideologien, die das eigentlich begründende Interesse verhüllen, und sehen wir in den Reglements der Diskurse so etwas wie vorübergehende Stillhalteabkommen im Krieg sozialer Interessen. DIE THEORETIKERIN DER KOMMUNIKATIVEN KOMPETENZ: Und wo bleibt, um der Gattung willen , in diesem furchtbaren Relativismus der Friede der Vernunft? DER VOLL AUSDIFFERENZIERTE GLEICHGEWICHTSTHEORETIKER: Bei mir, liebe Freunde, herrscht Frieden Der soziale Sinn der Reglements Diskurse kann nicht auf dahinter liegende Interessen bezogen werden. Man muß noch hinter die Interessen, Motwe und Bedürfnisse zurückgreifen. Man muß sich vor der Tatsache verbeugen, daß, ganz unabhängig von normativen Geltungsansprüchen oder vom kriegerischen Egoismus der Interessen und auch gegen beides, sich in Gesellschaften auf eine geheimnisvolle Weise Formen des so zialen Zusammenhalts durchhalten, Gebräuche, Gewohnheiten, Institutionen, vor deren imposanter Stabilität Ansprüche oder Interessen handelnder Individuen, deren Leben ohnehin von kurzer Dauer ist, verblassen müssen. Ist es nicht evident, daß Gesellschaften, wie alle lebenden Systeme, nach einem
Related Search
Advertisements
Related Docs
View more...
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks